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Der eine Tag

Ich weiß noch, als Flo und ich das erste Mal über eine mögliche Verlobung sprachen.

Jede Frau, die gerne heiraten möchte hat eine mehr oder weniger definierte Vorstellung, wo, wie und wann sie den Antrag bekommen möchte.

 

Denn, und trotz aller Emanzipation ist das immer noch bei vielen Frauen unumgänglich: Der Mann macht den Antrag!

Es gibt in England eine lustige Tradition, nämlich dass an einem 29. Februar, den es ja nur alle vier Jahre gibt, die Frauen den Antrag machen dürfen. "Dürfen", wie das schon klingt. Als wäre es sonst verboten, als Frau zu entscheiden wann geheiratet wird.

 

 

Unser erstes Gespräch übers Heiraten drehte sich nicht um konkrete Vorstellungen, sondern wir vermieden es, irgendetwas klar auszusprechen, drucksten beide herum: "Ich möcht' mal heiraten, und du? - Joa, ich auch, mal irgendwann."

Und so vergingen die Jahre, in denen sich meine Vorstellung immer mehr festigte: Flo muss den Antrag machen und zwar an einem Tag, an dem ich es nicht erwarte und total kreativ bitte, bloß kein Kniefall! Und es soll von langer Hand geplant sein, am besten eine Riesenparty und einen kleinen Ring will ich auch, nur nicht zu pompös.

 

Aber es kam ganz anders

 

Die, die diesen Blog von Anfang an lesen, kennen die Geschichte: HIER nochmal nachzulesen.

 

Dadurch, dass ich meine Vorstellungen nie klar geäußert habe, denn, und das ist noch so ein ungeschriebenes Gesetz, man darf im Vorfeld ja nichts zerreden, habe ich in mir und auch in Flo immensen Druck aufgebaut. Ich habe versucht, uns diesen zu nehmen, indem ich das Thema einfach verdrängt habe.

Aber mit Problemen ist es wie mit einem dicken Wasserball, den man unter Wasser halten will: Irgendwann hat man keine Kraft mehr und er ploppt wieder nach oben.

 

Also fing ich in den letzten Jahren an, immer mal wieder Bemerkungen zum Thema Hochzeit fallen zu lassen: "Schau mal, die XY aus meiner Stufe hat schon geheiratet und die ist ja so alt wie wir." Hat natürlich den Druck nicht besser gemacht ;-)

 

Nachdem mir Flo den Antrag gemacht hatte war meine erste Frage, wie er sich jetzt fühlt. Und die Antwort war: "Erleichtert"

Einige Wochen später hat er gestanden, dass er den Antrag bereits drei oder vier Jahre vorher hätte machen wollen, aber irgendwie den perfekten Moment nicht gefunden habe.

 

Was ist, wenn diese perfekten Momente nicht existieren?

 

 

Was ist überhaupt "perfekt"? Natur ist perfekt, schaut euch diesen Strand an, fällt euch etwas Negatives auf?

 

Mir auch nicht, aber das Bild könnte auch mit Photoshop bearbeitet sein, es ist von Pixabay...

 

Was ich sagen möchte ist: Was wir für perfekt halten, ist davon geprägt was unsere Wertvorstellungen sind. Diese erhalten wir durch unsere Erziehung, Sozialisation, unsere Erfahrungen und unsere Umwelt.

Wenn wir etwas sehen oder erleben, was ganz genau unseren Wertvorstellungen entspricht, dann halten wir es für perfekt.

 

Die meisten Menschen würden diesen Sandstrand als perfekt bezeichnen, aber es gibt sicher auch einige, die sich an diesem Strand nicht so wohl fühlen würden wie z.B. am Ballermann!

 

Doch die Natur selbst kümmert das nicht. Oder habt ihr schon einmal einen Apfelbaum gesehen, der sich darüber geärgert hat, dass er nicht schönere Äpfel hat?

 

Ein bisschen mehr Gelassenheit würde auch uns gut tun

So wie ich mit meiner Vorstellung vom perfekten Heiratsantrag riesigen Druck aufgebaut habe, so geht es mir und vielen anderen auch in anderen Angelegenheiten, wie bei meinem "perfekten Brautkleid" (HIER klicken).

 

Silvester ist zum Beispiel eine solche Angelegenheit, zu der viele, die das ganze Jahr nicht in Partystimmung sind, auf einmal total auf den Putz hauen, um die Vorstellung der "Party des Jahres" zu erfüllen.

 

Dabei ist es, zumindest bei mir, schon oft der Fall gewesen, dass andere Abende weitaus bessere Partys abgegeben haben als jede Silvesterfeier.

 

 

Wir knebeln uns durch unsere Vorstellungen und den Glauben, etwas müsse formvollendet sein, so oft selbst

 

Doch meist fällt uns das währenddessen überhaupt nicht auf. Aber wir können den Moment vielleicht nicht genießen, weil er nicht zu 100% unseren Vorstellungen entspricht.

Vielleicht aber sind unsere Erwartungen auch oft so unrealistisch hoch, dass ein Moment nie perfekt sein kann, weil es das in der Realität so gar nicht gibt?

 

Schauen wir uns Barbie an: Deren Körperproportionen gibt es überhaupt nicht, bei keiner (unoperierten) real existierenden Frau.

Ein auch durch Sport oder harte Diät nie zu erreichendes Körperideal!

 

Deshalb sollten wir uns von Zeit zu Zeit immer mal wieder fragen: Warum will ich das genau so haben und ist es auch wirklich das was ich will? Was wäre wenn es ohne das genauso ginge? Oder wenn etwas Besseres kommt, was ich mir aber gar nicht vorstellen kann?

 

Wie seht ihr das, habt ihr solche Erfahrungen auch schon einmal gemacht?

 

Diskutiert es in den Kommentaren :-)

 

Liebe Grüße, eure Angie

 

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