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HILFE! Mein Kleid ist nicht Size Zero!

Hier ist es nun, 20 Tage nach der Hochzeit, das erste Hochzeitsbild von uns beiden!

 

Ja, und das was ich da anhabe ist mein Wunschkleid. Genau so wie ich es haben wollte und schöner noch.

 

Der Weg zu ihm war so einfach und doch so schwer, denn ich bin tatsächlich wohl nicht wie alle anderen Bräute.

 

Kaum schreibe ich das, kommt es einer Anmaßung gleich, denn ist nicht jede Braut einzigartig, ist nicht jeder MENSCH einzigartig?

Wir sind alle unterschiedlich denkende, fühlende Wesen, von denen jedes seinen "eigenen Scheiß" machen will.

 

Aber gerade beim Thema Hochzeit scheint es mir, dass jeder ganz besonders individuell sein möchte - bloß nicht dieselbe Frisur haben wie die Nachbarin, die letzten Monat geheiratet hat. Jetzt hat die Grundschulfreundin doch glatt in derselben Location geheiratet wie wir, die hat uns doch die Idee geklaut!!

 

Und deshalb gibt es ja auch Brautkleider und Brautmodegeschäfte en masse - in tausend verschiedenen Stilrichtungen, für jedes individuelle Näschen was dabei. Hauptsache es ist genau "das Kleid". Und auch genau deshalb kauft kaum jemand die ganzen gebrauchten Brautkleider, die in diversen Flohmarktgruppen angeboten werden.

 Quelle: Michael Laptev, https://laptev-media.jimdo.com/

 

So, und nun stand ich da, 8 Monate vor meiner Hochzeit und musste mich dieser Frage stellen, der einen Frage die JEDE Frau in meiner Umgebung mir gestellt hat:

 

Wie soll das Kleid aussehen?

 

Ja, auch ich stecke tief in der "Ich-will-individuell-sein"-Falle. Nichts was jemand anderes zuvor schon hatte, es muss genau zu mir passen. Die Krux daran: Damit übt man selbst einen sehr hohen Druck auf sich aus, dass alles perfekt sein muss.

Und wir alle sind zwar einzigartig, aber sicher nicht perfekt, oder? Wir kennen das vom Shopping. Man sucht einen Pulli weil es kalt wird - und kommt mit 2 paar Schuhen wieder nach Hause! Man findet unter Druck einfach nicht das was man sucht.

 

Ursprünglich, als ich 16 war und unsere Hochzeit noch Jahre entfernt, wollte ich im Brautkleid meiner Mama heiraten. Denn sie war die allerschönste Braut die ich je gesehen hatte in meinem Leben!

Ihre Hochzeitsbilder, die im Schlafzimmer hängen sind wundervoll und genau davon träumte ich auch.

 

Doch nun, wo es ernst werden sollte, merkte ich: Das Brautkleid gehört meiner Mama und ihrem Til, es war genau für diesen einen Tag gedacht - nicht für mich. Nicht, dass sie es mir nicht geben wollte, nein, ich wollte mein eigenes haben.

 

Daher scheint es, dass ich wohl doch wie alle anderen Bräute bin, nicht wahr? ;-)

Ich merkte schnell: Im Brautmodegeschäft finde ich nicht das, was ich suche.

 

Einer meiner Lieblingssprüche wenn sich jemand selbst runtermacht oder mich runtermachen will (und vor allem wenn mein eigener innerer Kritiker sich anschaltet) ist: "Wir sind alle wunderschöne Schmetterlinge"

 

Daher dachte ich mir, wieso sollte ich das Schmetterlingsthema nicht auch in meinem Brautkleid aufgreifen?

 

Ich schrieb mehrere Schneidereien an und schilderte meine Wünsche: Ein weißes Kleid mit schwarzem Saum am Ausschnitt und unten am Rock das Muster des Monarchfalters mit eingearbeitet.

 

Schließlich stieß ich auf Mel und ihre Gewänderey: HIER KLICKEN!

 

Die Bilder auf ihrer Seite haben mich absolut vom Hocker gerissen. Und tatsächlich: Sie hat von Anfang an keine Zweifel gehabt, meine Wünsche umsetzen zu können. Zwar war ihr Studio 2 Fahrstunden von mir entfernt, aber zum Glück versendet sie die Kleider auch :-) Und im Budget lag das maßgeschneiderte Kleid auch noch!

 

 

Hier seht ihr mich beim Anprobetermin mit einem "Flügel" in der Hand, die wurden später angenäht. 

Meine Mama und meine Trauzeugin/Schwester Lara waren auch dabei und es war ein super lustiger Tag, trotz langer Fahrt.

Also war es fast wie bei einem "normalen" Termin im Brautmodegeschäft.

 

Jetzt denkt ihr euch sicher: ja, wo ist das Problem? Lief doch alles reibungslos, dein Traumkleid wird dir auf den Leib geschneidert und es ist nicht mal teurer als eines von der Stange vom Brautmodegeschäft?

 

Stimmt, es gab augenscheinlich gar keine Probleme.

 

Das Problem steckt IM Kleid, genauer gesagt sollte bei ihrer Hochzeit in diesem Kleid stecken.

Ich hatte ein Problem mit MIR.

 

Um das Brautkleid auf den Leib geschneidert zu bekommen, musste ich zuerst die Maße meines Körpers abgeben, also mich schonungslos damit befassen, welcher Teil meines Körpers wie groß oder klein ist.

 

Objektiv betrachtet ist an meinem Körper nicht das Geringste auszusetzen: Ich habe zwei Beine, zwei Arme, zwei Brüste, eine Hüfte, einen Torso, alles was man zum Kleid tragen braucht. Und selbst wenn mir etwas davon fehlen würde, also ein Arm zum Beispiel, könnte ich trotzdem das Kleid tragen.

 

Also wieder die Frage: Wo ist das Problem?

 

Ich verschob das Vermessen immer wieder, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf "Ich nehm noch ab". Bis mich Flo dann im April darauf hinwies: Du, wir müssen das jetzt machen, sonst wirds zu spät.

 

Bei jeder Zahl, die Flo beim Messen auf die Liste notierte verzog ich den Mund. Taille? Nein, nicht annähernd 60, eher 80. Popo, Beine, Arme?

Für meine innere Kritikerin jedesmal ein Grund zu sagen: "Undiszipliniert, du hattest so lange Zeit, wieso ist das nicht weniger? Wieso bist du nicht dünn??"

 

 

 

Ich bin ein wunderschöner Schmetterling!

 

Nein, ich bin nicht dünn. Aber ich bin auch nicht dick. Aber all das ist auch einerlei, selbst mit perfekten Maßen wären diese Gedanken bei mir da.

Ich kenne wunderschöne und durchtrainierte Menschen, die sich selbst immer weiter prügeln um noch schöner zu werden und nie zufrieden sind. Genauso kenne ich schlanke Menschen, die sich selbst super gut finden wie sie sind (Die werden dann schnell für eingebildet gehalten).

Anders herum gibt auch es übergewichtige Menschen in meinem Bekanntenkreis die eben einfach so sind und es ist ok für sie, sie sind wunderschön so!

 

 

 

Quelle: www.pixabay.de

 

Aber hat nicht jede von euch gerade gedacht: "Ja, stimmt, solche Gedanken hatte ich auch schonmal, sogar mehr als einmal." Denn ist nicht Body Shaming spätestens in Zeiten von Heidi Klum GNTM in aller Munde?

Wenn nicht: Ihr glücklichen! Dahin wo ihr seid will ich auch mal kommen.

 

Mein Freund Jan hatte für das Thema ganz pragmatische Worte: "Lass dir doch einfach ne 36 ins Kleid reinnähen!" ;-)

 

Ich habe die Maße abgeschickt, in dem Bewusstsein: Ich schäme mich und das ist definitiv nicht gut.

Denn was kann schlimmer sein als in meinem Kleid vor den Altar zu treten und zu denken: Ich bin KEIN wunderschöner Schmetterling? Wie schade, dass ich mir mit solchen Gedanken meinen Tag zerstören könnte.

 

Das Kleid kam und ich probierte es an.

 

Und nein, es fühlte sich nicht perfekt an. Aber es fühlte sich sehr sehr gut an!

 

Ein solides "sehr gut" ist wundervoll, besser als ich mir mein "perfekt" hätte vorstellen können. Nein, ich bin nicht dünn oder perfekt und ich werde es wahrscheinlich auch nie sein.

Aber ich bin ein wunderschöner Schmetterling. Ich habe mich in meinem Schmetterlingskleid unglaublich wohl gefühlt.

 

Und weil das so ist lese ich den Artikel diesmal nicht noch einmal durch und suche nach Fehlern :-)

Wie seht ihr das? Habt ihr auch so einen kleinen Teufel im Kopf?

 

Lasst mir einen Kommentar da.

Liebe Grüße, Angie

 

 

P.S.: Schaut euch hier auch nochmal die Geschichte zu unseren Ringen an: KLICK


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Kommentare: 2
  • #1

    Miri (Mittwoch, 16 Januar 2019 13:27)

    Ein Hoch auf Deinen Artikel! Eine Erinnerung daran, dass das eigene Körpergefühl oft spinnt kann ich öfter vertragen. Und Dein Kleid (und ihr beide auf dem Hochzeitsfoto) ist wunderschön :)

  • #2

    Angie (Donnerstag, 31 Januar 2019 15:44)

    Vielen Dank, liebe Miri, das freut mich sehr. Wir alle brauchen ab und zu mal eine Erinnerung, oder? :) Liebe Grüße!